Wikinger Kleidung bzw. Kostüme finden auch heute noch auf LARPs oder zu anderen Anlässen jede Menge Liebhaber, doch wo kommt die Kleidung der Wikinger eigentlich her und wie sieht sie aus? Wir möchten etwas auf die Geschichte eingehen und unsere Lieblingskleider vorstellen.
Trugen die Wikinger spezielle Kleidung?
Die Wikinger aus dem Norden waren Seefahrer
Schon immer begeisterten die Wikinger Alt und Jung. Die Blütezeit der Wikinger war vom neunten bis zum elften Jahrhundert, in dieser kurzen geschichtlichen Zeitspanne erweiterten sie beständig ihren Einfluss bis über Grönland und Island hinaus. Doch zu Unrecht stehen die Wikinger nur für Überfälle und Raubzüge, wir wissen heute, dass die Männer und Frauen der nordischen Stämme vor allem mutig und neugierig waren. Doch Wikinger waren vor allem Bauern. Sie machten sich auf, die Welt der Meere zu entdecken oder um Handel zu treiben. Ihre Fahrten führten sie bis in den Orient, nach Bagdad oder ins Baltikum und bis an die Küsten von Nordamerika. Bekannt wurden die Stämme der Wikinger jedoch durch ihre Raubzüge, da sie als wild, unerschrocken und kampflustig galten. Die Menschen ihrer Zeit fürchten ihre Überfällte. Frauen waren immer einbezogen und kämpften nicht nur mit, sondern konnten hohe Ränge erreichen. Doch nicht nur Überfälle, Kämpfe und Handel bestimmten das Leben der Wikinger, sondern der Alltag bei Ackerbau und Viehzucht, der Handel und der Bau ihre seetüchtigen Drachenschiffe. Denn da diese schneller und leichter, wie andere Boote ihrer Zeit waren, genossen die Wikinger Vorteile. Vor allem tauschten Wikinger Honig, Wachs, Bernstein, Felle, Tierhäute und Waffen gegen Edelmetalle, Silber, Seide, Gewürze, Helme und Rüstungen. Besonders war auch die Wikinger Kleidung, auf welche wir nun nachfolgend eingehen möchten.
Wie kleideten sich Händler, Entdecker und Krieger bei den Wikingern?
In den Grundzügen der dänischen, norwegischen und schwedischen Wikinger ähnelte sich die Kleidung der verschiedenen Stämme. So trugen die Frauen über einem langen Unterhemd ein schlichtes Kleid aus Wolle oder Leinen. Auch Trägerröcke waren bei den Frauen beliebt. Diese reichten bis zu den Knöcheln und waren langärmlig. Außerdem hatten sie hinten eine Schleppe und waren vorn geöffnet. Mit Schnallen an den Brüsten wurden diese befestigt.
Die Männer trugen ein Unterhemd, darüber eine Tunika und die Wikingerhose, die die Männer in der Bewegungsfreiheit nicht behinderte. Ging es in den Kampf, führten die Männer Streitäxte, zweischneidige Schwerter, Pfeil und Bogen mit sich. Um das Auskühlen der Beine zu verhindern, wurden Felle und Leder um die Beine gewickelt und geschnürt. Diese gehörten zu jeder Wikinger Kleidung. Schwerter und Schilder wurden an die Auswand der Drachenboote gehängt und ergaben damit eine zusätzliche Panzerung. Zum Schutz des Kopfes trugen die Wikinger Helme mit Augen und Nasenschutz, die Hörner auf den Helmen sind jedoch ein Mythos unser Zeit, der nicht der Wahrheit entspricht. Frauen wie Männer trugen das Haar gern lang, während die Frauen ihres gern zu einem Zopf oder Knoten flochten, flochten die Männer mit Vorliebe ihre Bärte. Die Wikinger nutzten für ihre Kleidung gern Farben. Rot war bei den Frauen beliebt, während die Männer blau bevorzugten. Auch die Farben grün, gelb und braun wurden zur Färbung der Wikinger Kleidung gern verwendet. Die bunte Kleidung wurde mit Bändern und Spiegelstücken verziert.
Aller Anfang…
Wikinger trugen zu Beginn ihrer Zeit Felle, denn Pelzkleidung war warm und ließ sich einfach aus den Häuten der erlegten Tiere herstellen. Dicke Woll- oder Fellumhänge rundeten das Bild der Krieger ab. Nach und nach wurden die Felle aus Katze, Fuchs, Marder und Zobel durch Tuche, Wolle und Leinenstoffe ersetzt. Nach diesem Vorbild kann sich jeder auch heutzutage ein Wikinger Kostüm zusammenstellen.
Wikinger Kleidung – vom Alltag bis zum LARP-Abenteuer
Wenn du dich schon einmal gefragt hast, wie echte Wikinger Kleidung aussah und wie du dich selbst so einkleiden kannst, dass du dich fühlst wie auf einem nordischen Thing im Jahr 900, dann bist du hier genau richtig. Ich erinnere mich noch an mein erstes LARP-Wochenende, an dem ich dachte, ich hätte alles – bis ich merkte, dass meine Tunika aus Polyester bestand. Kein schönes Gefühl, wenn man versucht, authentisch zu wirken. Heute weiß ich: Wikinger Kleidung ist nicht nur spannend, sie erzählt Geschichten, die man tragen kann.
Die Grundlagen der Wikinger Kleidung
Bevor man in die Details geht – also ob es um Damen, Herren oder Kinder geht – sollte man die Basis verstehen. Wikinger Kleidung war praktisch, robust und an das nordische Klima angepasst. Sie bestand aus Wolle, Leinen und manchmal Fell. Kunstfasern? Fehlanzeige.
Die Schichten waren entscheidend: Unterkleidung aus Leinen, darüber Wolle. Im Winter kam Fell dazu, oft von Schaf, Ziegen oder Rindern. Farben spielten eine größere Rolle, als viele glauben – Färberpflanzen wie Waid, Krapp oder Birke sorgten für natürliche Töne: Blau, Rot, Braun, Grün und Gelb. Nichts grell, aber lebendig.
Wenn du heute für ein LARP oder Mittelalterfest Kleidung suchst, lohnt es sich, auf diese Schichten zu achten. Eine gute Leinenuntertunika und ein Wollüberwurf sind nicht nur historisch korrekt, sondern auch angenehm zu tragen – selbst bei wechselhaftem Wetter.
Wikinger Kleidung für Damen
Die Tunika und das Trägerkleid
Wikingerinnen trugen meist eine lange Leinentunika als Unterkleid. Darüber kam ein sogenanntes Trägerkleid – ein ärmelloses Kleid, das mit Spangen (meist oval oder rund) an den Schultern befestigt wurde. Daran hingen oft Ketten oder kleine Schmuckstücke.
Ich finde dieses Detail besonders schön, weil es zeigt, wie sehr Kleidung Ausdruck von Identität war. Eine Spange war nicht nur praktisch, sondern auch ein Zeichen für Reichtum oder Herkunft. Wenn du dir also eine Wikinger Kleidung für Damen zusammenstellst, lohnt es sich, auf diese kleinen Dinge zu achten – sie machen das Gesamtbild lebendig.
Farben und Stoffe für Frauen
Viele denken, die Kleidung sei nur grau oder braun gewesen. Stimmt aber nicht. Frauenkleidung war durchaus farbenfroh – wenn auch mit natürlichen Tönen. Ein tiefes Rot aus Krappwurzel oder ein gedämpftes Blau aus Waid sahen nicht nur schön aus, sie zeigten auch, dass man sich Färbemittel leisten konnte.
Leinen für den Sommer, Wolle für den Winter – das war Standard. Und im LARP-Kontext macht genau das den Unterschied: Baumwolle sieht modern aus, Leinen fällt anders. Es riecht, es lebt, es bewegt sich mit dir.
Wenn du auf einem Mittelaltermarkt oder beim LARP spielst, wirst du merken, dass die Stoffe die Atmosphäre mitbestimmen. Eine authentische Tunika wirkt ganz anders als ein Kostüm aus dem Internet.
Schmuck und Accessoires
Ohne Accessoires wäre Wikinger Kleidung nur halb so spannend. Fibeln, Armringe, Ketten und Broschen erzählten Geschichten – manchmal von Reisen, manchmal vom Glauben. Viele Frauen trugen Amulette in Tierform: Raben, Wölfe oder Schlangen.
Ich erinnere mich an eine Frau auf einem Reenactment-Festival, die mir erzählte, sie fühle sich „wie eine Schildmaid, sobald sie die Spangen anlegt“. Genau darum geht’s: Kleidung, die dich verwandelt.
Wikinger Kleidung für Herren
Die Tunika als zentrales Kleidungsstück
Auch bei Männern war die Tunika das wichtigste Kleidungsstück. Meist reichte sie bis knapp über die Knie und wurde mit einem Gürtel getragen. Darunter trug man eine Leinenuntertunika, darüber im Winter eine Wolltunika.
Ein Detail, das man leicht übersieht: Der Schnitt war nicht gerade. Seitliche Geren (also keilförmige Einsätze) sorgten dafür, dass man sich frei bewegen konnte – ob beim Arbeiten, Kämpfen oder einfach am Feuer sitzen.
Ich habe selbst mehrere dieser Tuniken genäht – und glaub mir, der Unterschied zwischen einer mit Geren und einer ohne ist enorm. Wenn du dich beim LARP viel bewegst, brauchst du diesen Schnitt. Er ist bequem und sieht authentisch aus.
Hosen, Beinwickel und Gürtel
Wikingerhosen waren in der Regel schmal geschnitten oder – bei manchen Funden – ballonartig weit an den Oberschenkeln. Dazu kamen Beinwickel, also lange Wollbänder, die um die Unterschenkel gewickelt wurden. Sie hielten warm und schützten beim Laufen durch hohes Gras.
Der Gürtel war nicht nur praktisch, sondern auch ein Schmuckstück. Oft mit Metallbeschlägen verziert, manchmal mit Runenmustern. Für das LARP kannst du hier viel Kreativität einbringen – ein alter, geölter Ledergürtel mit Messingschnalle macht sofort was her.
Kopfbedeckung und Mantel
Kälte war in Skandinavien ein ständiger Begleiter. Also trugen Männer Mützen aus Wolle oder Fell und schwere Mäntel, oft mit einer Fibel über der Schulter geschlossen. Ein einfacher Rechteckmantel aus dicker Wolle reicht völlig aus, um einen authentischen Look zu schaffen – und er ist unfassbar praktisch.
Wenn du dich beim LARP am Abend ans Feuer setzt, wirst du den Mantel lieben. Er riecht nach Rauch, wird mit der Zeit weicher – und irgendwann fühlt er sich an, als gehöre er zu dir.
Wikinger Kleidung für Kinder
Kinderkleidung war im Prinzip eine kleinere Version der Erwachsenenmode. Schlichte Tuniken, Hosen, einfache Gürtel. Kaum Schmuck, wenig Verzierung – Kinder wuchsen schließlich schnell heraus.
Aber gerade im LARP oder auf Mittelalterfesten ist es schön, wenn Kinder mit eingebunden sind. Ich habe oft gesehen, wie Kinder begeistert durch das Lager liefen, in Leinenkleidchen oder Mini-Tuniken, und plötzlich „Edda“ oder „Erik“ hießen.
Wenn du für Kinder etwas nähen willst: Achte auf Bewegungsfreiheit. Wolle kratzt manchmal, also lieber Leinen als Basisschicht nehmen. Und ein kleiner Wollumhang darüber – schon sieht’s echt aus.
Wikinger Kleidung im LARP – Authentisch, aber spielbar
Zwischen Geschichte und Fantasie
Im LARP ist es oft eine Gratwanderung: Du willst authentisch wirken, aber auch deinen Charakter darstellen. Eine Schildmaid kann zum Beispiel Lederrüstung tragen, auch wenn das historisch selten war. Solange das Gesamtbild stimmig ist, funktioniert’s.
Ich persönlich mag es, wenn die Kleidung an echte Funde angelehnt ist, aber kleine kreative Freiheiten zulässt. Eine Tunika mit handgenähten Säumen, ein selbstgefärbtes Trägerkleid oder handgewickelte Beinlinge – das sieht gut aus und erzählt etwas über deinen Charakter.
Praktische Tipps für dein LARP-Outfit
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Schichtenprinzip beachten: Leinen unten, Wolle oben. So kannst du dich an Temperaturen anpassen.
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Echte Materialien verwenden: Sie fühlen sich besser an und altern schöner.
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Nähte sichtbar lassen: Das wirkt handgemacht und authentisch.
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Keine Reißverschlüsse oder Druckknöpfe: Schnüre, Fibeln und Haken sind die bessere Wahl.
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Abgenutzte Kleidung ist gut: Ein bisschen Patina wirkt realistischer als fabrikneue Stoffe.
Persönlicher Tipp
Ich färbe meine Tuniken manchmal selbst mit Zwiebelschalen oder Walnussschalen. Das ist nicht nur einfach, sondern ergibt wunderschöne, warme Töne. Außerdem riecht das Kleidungsstück danach ein bisschen nach Natur – und das passt perfekt zur Wikingerzeit.
Wikinger Schuhe und Zubehör
Wikinger Schuhe waren schlicht, aber clever. Meist aus weichem Leder, genagelt oder genäht, mit Riemen um den Knöchel. Sie sahen etwas roh aus, aber das gehört dazu.
Für moderne LARP-Veranstaltungen kannst du Replikate kaufen oder selbst basteln. Es gibt einfache Schnittmuster – im Prinzip ein Stück Leder, das um den Fuß gelegt und vernäht wird. Ich habe das einmal gemacht, und das Gefühl war erstaunlich: Man spürt den Boden, das Gras, den Kies – plötzlich läufst du anders. Langsamer, bewusster.
Auch kleine Dinge wie Taschen, Gürtelbeutel oder Trinkhörner gehören zur Ausstattung. Und wenn du mal wirklich in Stimmung kommen willst: Trag eine handgefertigte Fibel oder ein Amulett mit Runenmuster. Das verändert die Haltung, glaub mir.
Unterschiede zwischen Alltag, Reenactment und LARP
Historisch getreue Reenactment-Kleidung folgt den archäologischen Funden. Da zählt jeder Stich. Beim LARP darf’s freier sein – Hauptsache, der Look passt in die Welt, die du darstellst.
Wenn du dich für Wikinger Kleidung interessierst, solltest du dir überlegen, welchen Weg du gehen willst. Willst du möglichst historisch bleiben? Dann orientiere dich an Grabfunden aus Birka oder Hedeby. Willst du eine Fantasy-Version? Dann lass dich inspirieren, aber bleib im Stil der Zeit.
Ich persönlich mische beides. Eine historisch korrekte Basis – Leinen, Wolle, Mantel – und dazu ein paar kreative Akzente für den Charakter. Das wirkt glaubwürdig und ist praktisch.
Pflege und Aufbewahrung von Wikinger Kleidung
Echte Stoffe brauchen Pflege. Leinen kann man waschen, Wolle lieber nur lüften. Wenn du nach einem LARP-Wochenende nach Hause kommst, häng die Kleidung an die frische Luft. Rauchgeruch verschwindet meist von selbst.
Wenn du mit Naturfarben gefärbt hast, meide starke Sonne – sie bleicht aus. Und bewahre alles trocken auf. Ein bisschen Lanolin in der Wolle schadet nie – das hält sie weich und schützt vor Nässe.
Wikinger Kleidung selbst machen
Selbst nähen ist gar nicht so schwer. Einfache Schnitte, gerade Linien, keine komplizierten Kurven. Ich habe meine erste Tunika aus einem alten Leinentuch gemacht. Schief genäht, klar – aber sie hatte Charakter.
Wenn du anfängst, probier’s mit Handnähten. Das dauert länger, aber es sieht einfach besser aus. Und du verstehst plötzlich, wie Kleidung damals wirklich entstanden ist.
Viele Schnittmuster findest du in Reenactment-Foren oder auf Märkten. Und wenn du Lust hast, kannst du dir auch deine eigenen Färbemittel herstellen – Zwiebelschalen, Holunder, Birkenblätter. Alles, was du brauchst, wächst draußen.
Fazit – Wikinger Kleidung lebt von Geschichten
Am Ende geht’s bei Wikinger Kleidung nicht nur darum, wie sie aussieht, sondern wie sie sich anfühlt. Ob du beim LARP in eine Rolle schlüpfst, beim Mittelaltermarkt am Feuer sitzt oder einfach Freude an alten Handwerkstechniken hast – Kleidung ist ein Tor in eine andere Zeit.
Ich habe in den letzten Jahren viele Leute gesehen, die sich erst aus Neugier für das Thema interessiert haben und dann nicht mehr losgekommen sind. Vielleicht geht’s dir genauso.
Wenn du das erste Mal in deiner eigenen Wikinger Kleidung stehst, spürst du sofort, was ich meine: Der Stoff kratzt ein bisschen, die Fibeln klirren, der Mantel riecht nach Rauch. Und plötzlich ist das Jahr 900 gar nicht mehr so weit weg.